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Haus der Wissenschaft - Blog

Flugzeugtanks voller Algen

Kategorie: Allgemeines, 1. Juni 2010 um 10:52

Fliegen wir bald mit der Hilfe von Algen? Wird unser Stromverbrauch bald durch Energie aus Abwasser gedeckt? Energie aus Wind und Sonne sind uns mittlerweile vertraut und gehören zu unserem Alltag. Aber Abwasser? Ein Stoff, den man eigentlich einfach nur loswerden will?

Dass Abwasser eben nicht nur Müll oder wertloses Material ist, stellte Andreas Hartmann, Geschäftsführer der Stadtentwässerung Braunschweig, in seinem Vortrag beim 2. Braunschweiger Energiecafé dar. Unsere Abwässer taugen zur Energiegewinnung und enthalten obendrein wertvolle Stoffe. Wenn alle Komponenten optimal genutzt würden, könnte dadurch sehr viel Energie und Geld gespart werden.

Bis es soweit ist, müssen aber noch einige Probleme aus dem Weg geschafft werden. Im Moment ist es noch nicht möglich, alle Wertstoffe wie zum Beispiel Phosphor und Stickstoff aus dem Abwasser herauszulösen. Wichtige Ressourcen sind durch das Wasser extrem verdünnt und Schwermetalle belasten die im Abwasser enthaltenen Nährstoffe. Abhilfe könnte hier ein getrenntes Sammeln der verschiedenen Abwässer schaffen, was sich in der Umsetzung jedoch als sehr schwierig erweist. Erste Versuche damit sind in der Region Braunschweig bei der Umgestaltung des Autohofs Watenbüttel geplant. Dort soll das so genannte Gelbwasser von den anderen Abwässern getrennt und als Stickstoffdünger genutzt werden. Ob das System langfristig auf die Abwasserverwertung ganzer Städte angewandt werden kann wird sich zeigen. Sicher ist, dass Braunschweig im Bereich Abwasserverwertung eine Vorreiterrolle eingenommen hat und neue Möglichkeiten zur Energiegewinnung aus Abwässern erforscht. Bereits jetzt werden in Braunschweig 8000 Bürger mit Energie versorgt, die aus Biogas stammt. Dieses Biogas wird aus Klärschlamm und den nachwachsenden Rohstoffen gewonnen, die wiederum mit Braunschweiger Abwasser gedüngt und gewässert werden.

Nicht Abwasser sondern Algen sind das Spezialgebiet von Prof. Otto Pulz von der IGV GmbH Potsdam. Mit seiner Forschung im Bereich Mikroalgen versucht er dem Ziel, eines Tages marktfähigen Flüssigbrennstoff aus Algen herstellen zu können, näher zu kommen. Was zunächst sehr unwahrscheinlich klingt, hat durchaus Potential: Diese unscheinbaren Organismen sind, bezogen auf die Grundanbaufläche, deutlich ergiebiger als höhere Pflanzen. Im Gegensatz zu anderen Pflanzen, die zur Energiegewinnung angebaut werden, stehen Algen nicht in Konkurrenz mit der Landwirtschaft und der damit verbundenen Nahrungsmittelproduktion auf der Erde. Und was besonders interessant ist: Da aus Algen Flüssigtreibstoff gewonnen werden kann, stellen sie angesichts schwindender Ölvorräte für Fluggesellschaften eine wünschenswerte Alternative dar. Allerdings ist die Produktion von Biosprit aus Algen derzeit noch zu teuer, um als wirkliche Alternative zum Öl bestehen zu können. Der Anbau in den notwendigen großen Mengen ist  zurzeit nicht möglich. Die Option einer industriellen Herstellung von Algen im großen Stil erwartet Pulz erst für die nächsten 30 Jahre.

Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis wir mit Algen in die Luft gehen und unsere Glühbirnen mit Abwasser zum Leuchten bringen. Dem Publikum im Energiecafé ist aber sicherlich klargeworden, dass sowohl Algen als auch Abwasser in Zukunft eine große Rolle für unsere Energieversorgung spielen könnten.

(Autorin: Carina Teufel)

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