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Haus der Wissenschaft - Blog

Die Könige der Dunkelheit

Kategorie: Allgemeines, Veranstaltung, Vortrag, 25. Januar 2010 um 16:13

E = mc2. Mit der wohl berühmtesten Gleichung der Welt beginnt Dr. Andreas Müller, Astrophysiker an der TU München, seinen Vortrag über Schwarze Löcher. Was Einstein mit Schwarzen Löchern zu tun hat? Nun, man kann sagen, er hat sie „erfunden“: 1916 veröffentlichte er seine Allgemeine Relativitätstheorie. Die darin aufgestellten Gleichungen zur Krümmung von Raum und Zeit durch Gravitation beschrieben erstmals diese seltsamen Gebilde.

Ereignishorizont, Singularität, Dopplereffekt… Begriffe, die uns Normalsterblichen beim ersten Hören irgendwie Chinesisch vorkommen. Doch Müller versteht sein Fach. Mit vielen Beispielen vermittelt er auch Laien die harte Kost: Was passiert, wenn wir uns todesmutig in ein schwarzes Loch stürzen, bewaffnet nur mit einer Uhr und einer Taschenlampe? (Antwort: Für einen außen stehenden Beobachter scheint die Uhr still zu stehen und die Taschenlampe zu verlöschen. Für uns im schwarzen Loch passiert nichts dergleichen.) Wie groß wäre ein Schwarzes Loch mit der Masse einer Kaffeetasse? (Antwort: 10-24 cm) Astronomy for beginners.

Übrigens: Ein Schwarzes Loch mit der Masse unserer Sonne (unglaubliche 2.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000 kg) hätte einen Radius von 3 km. Aber – Zitat Müller – „Ich kann Sie beruhigen. Mit der Sonne wird das nicht passieren.“ Da sind wir aber wirklich beruhigt.

So nimmt ein spannender Abend in der vollbesetzten Aula seinen Lauf. Müller erklärt, wie Schwarze Löcher entstehen, was sie mit ihrer Umgebung anstellen und gibt einen Überblick über den Stand der Forschung. Seine Prognose: In fünf Jahren wird es Radioastronomen gelungen sein, das erste Foto eines Schwarzen Lochs zu liefern. Man darf gespannt sein.

Schließlich kommt die Sprache auch auf die Möglichkeit, winzige Schwarze Löcher in Teilchenbeschleunigern zu erschaffen. Den Large Hadron Collider (LHC) in Genf kennen wir seit Dan Browns „Illuminati“ ja alle. Der Astrophysiker zeigt, wie der riesige Apparat aufgebaut ist und was die Forscher dort treiben. Er argumentiert, warum die geplanten Experimente ungefährlich sind:
1. Gäbe es so etwas wie Schwarze Mini-Löcher tatsächlich, wären diese aufgrund der abgegeben Strahlung (Hawking-Strahlung) so instabil, dass sie innerhalb kürzester Zeit (10-24 Sekunden) zerfallen würden.
2. Das Aufsammeln von Materie durch so einen schwarzen Winzling wäre viel zu ineffizient, als dass er uns bedrohen könnte. Allein um ein Elektron zu „verschlucken“ bräuchte der kleine Kerl mehrere Trillionen Jahre. Eine ziemlich lange Zeit, wenn man nicht einmal eine Sekunde zu leben hat.
3. Und schließlich: Die kosmische Strahlung, die unsere Erde tagtäglich erreicht, ist um ein Vielfaches energiereicher als das Innere des LHC. Trotzdem hat wohl noch niemand ein Schwarzes Mini-Loch auf der Erdoberfläche entstehen sehen.

Fazit: Die „Könige der Dunkelheit“, wie Müller die Schwarzen Löcher in seinem Buch nennt, sind faszinierend. Genauso wie Teilchenbeschleuniger-Experimente, die uns in den nächsten Jahren und Jahrzehnten bestimmt noch in Atem halten werden!

Wer weiterlesen möchte:
Astrowissen – Das Astronomie-Portal von Dr. Andreas Müller
Andreas Müller: Schwarze Löcher. Die dunklen Fallen der Raumzeit. Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg 2010

(Autorin: Christiane Niehues-Pröbsting)

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