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Haus der Wissenschaft - Blog

Tatsachen? – Forschung unter der Lupe

Kategorie: Allgemeines, Schlagwörter: — 22. August 2009 um 10:36

Auf der Suche nach den Grenzen der wissenschaftlichen Freiheit – Pro und Contra Tierversuche

Abwägung – das war eines der wichtigsten Stichworte an diesem Abend. Welchen Nutzen verspricht eine Studie und welcher Einsatz von Tierleben steht dagegen? Um diese Frage zu beantworten müssen für beide Seiten Kriterien entwickelt werden. Wie können wissenschaftliche Studien in Bezug auf ihren Nutzen beurteilt werden und welchen „Wert“ hat das Leben eines Tieres?

Diese schwierigen Fragen zu beantworten war an diesem heißen Abend im Haus der Wissenschaft der Job von Dr. Ute Modlich (Medizinischen Hochschule Hannover), Dr. Hermann Riedesel (Arbeitsgruppe Tierexperimentelle Einheit am Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung), Prof. Jörg Luy (Institut für Tierschutz und Tierverhalten an der FU Berlin) und Christian Meyer (Bündnis 90/Die Grünen).

Doch auch das Publikum hatte die Chance direkt in die Diskussion einzugreifen. Im Fishbowl-(Goldfischglas-) Format bleiben in der Expertenrunde immer zwei Plätze frei, die wechselweise von Zuschauern besetzt werden können. Bleibt jemand zu lange auf dem Stuhl kleben, kann er durch „Antippen“ abgelöst werden. „Die Referenten selbst sollten dabei wenn möglich nicht abgelöst werden, das wäre zu schade“, erklärte der Moderator dem staunenden Publikum.

Doch zurück zu den Inhalten des Abends. Nach einem kurzen, einleitenden Vortrag von Dr. Hermann Riedesel, indem die Zuhörer z.B. erfuhren, was eine „Knock-out“ Maus ist und welche Gesetze zum Tierschutz im deutschen Gesetz verankert sind, begann die Diskussion pro und contra Tierversuche. Hierbei machten Frau Dr. Modlich, Dr. Riedesel und Prof. Dr. Luy deutlich, dass man in der Medizinforschung nicht ganz auf Versuche an Tieren verzichten könne. Zum Beispiel könnten die komplexen Vorgänge im Immunsystem nicht „in vitro“, dass heißt im Reagenzglas, dargestellt werden. Jedoch gibt es schon Möglichkeiten, auf bestimmte Tierversuche zu verzichten. So hat Dr. Ute Modlich mit ihrem Team an der MHH eine alternative Methode entwickelt und dafür den Ursula Händel-Tierschutzpreis erhalten. Dies erfreute auch den Grünen-Politiker Christian Meyer, der darauf drängt, Tierversuche in absehbarer Zeit komplett abzuschaffen.

Im weiteren Verlauf ging es immer wieder auch um die Frage, welche Hürden Wissenschaftler nehmen müssen, um Tierversuche in ihrer Studie vornehmen zu dürfen.

So konnten die Zuschauer einer interessanten, an vielen Stellen emotional geladenen Diskussion folgen und einige Besucher nutzten die Gelegenheit der Fishbowl Methode, um den Experten provokante Fragen zu stellen wie: „Warum bewertet man ein Menschenleben höher als ein Mäuseleben und wer nimmt diese Bewertung vor?“

Prof. Dr. Luy führte hier z.B. die kognitiven Fähigkeiten von Lebewesen als Bewertungsmaßstab an, der auch unter den Tieren noch zu Abstufungen führt und beispielsweise kaum Experimente an Menschenaffen zulässt. Unter Berücksichtigung dieser Einordnung kam er zu dem Schluss, dass Tierversuche dann durchgeführt werden können, wenn „das Leiden, das man aus der Welt schafft, größer ist als das, das man verursacht“. Hier war sie also wieder – die Abwägung.

Die Reihe „Tatsachen? Forschung unter der Lupe“ geht am 18. September weiter. Dann ist die Weltraumbiologin Dr. Gerda Horneck zu Gast und spricht über die Chancen auf extraterrestrisches Leben.

(Autor: Friederike Scholz)

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