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Haus der Wissenschaft - Blog

Viel Impfung muss sein! Oder?

Kategorie: Veranstaltung, Vortrag, Schlagwörter:, , — 4. Juni 2009 um 15:22

Beim Auftakt der Veranstaltungsreihe Tatsachen? Forschung unter der Lupe am Donnerstag den 28.05.2009 wurde über den Sinn von Impfungen diskutiert. Die drei geladenen Experten Prof. Dr. Wilfried Bautsch (Städt. Klinikum Braunschweig), Prof. Dr. Sieghart Dittmann (WHO Consultant) und Dr. Stefan Schmidt-Troschke (Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke) gaben zu Beginn kurze Statements zu ihrer Position ab. Anschließend entwickelte sich vor allem durch Fragen und Meinungsäußerungen aus dem Publikum eine lebhafte Debatte, die vom Geschäftsführer des Haus der Wissenschaft, Markus Weißkopf, moderiert wurde.

Prof. Dittmann skizzierte zunächst den Weg hin zu einer öffentlichen Impfempfehlung und zeigte dabei die Beteiligung diverser Akteure vom Bundesgesundheitsministerium über das Robert Koch Institut bis hin zu den Kassenärztlichen Vereinigungen auf. Danach entkräftete er ein Hauptargument gegen das Impfen: Die Zahl der durch Impfungen verabreichten Antigene sei in Relation zu früheren Jahrzehnten sogar gesunken. Dies sei besonders bemerkenswert, da gleichzeitig die Zahl der Krankheiten gegen die geimpft wird gestiegen sei. Er befürwortete generell Impfungen, da Nebenwirkungen im Allgemeinen gering seien. Allerdings müsste die Gefahr einer Erkrankung real sein.

Dr. Stefan Schmidt-Troschke stellte fest, dass die Hausarztpraxis in der Regel kein Ort für Impfdiskussionen sei. Für Eltern ergäbe sich hieraus die schwierige Situation eine Impfung als Eingriff in die körperliche Unversehrtheit durchführen zu lassen, obwohl keine direkte Gefahr für das Kind bestehe. Sachliche Argumente für eine Impfung werden seines Erachtens mit anderen Beweggründen vermischt. Herr Schmidt-Troschke plädierte für den Erhalt beziehungsweise die Förderung eines freien und individuellen Impfentscheids. Dies bedeute nicht, dass öffentliche Impfempfehlungen schlecht seien. Vielmehr gehe es darum in Einzelfällen Ausnahmen wie etwa eine spätere Impfung zuzulassen, erklärte er auf Nachfrage.

Darüber hinaus kritisierte Dr. Schmidt-Troschke, dass im Bereich der Impfungen nicht evidenzbasiert genug gearbeitet werde. Hierauf entgegnete Prof. Dr. Dittmann, dass die Evidenz für Impfungen durchaus gegeben sei. Bei Hepatitis B sei zwar die Logistik der Grund für den frühen Zeitpunkt, jedoch sei es umgekehrt problematischer Jungendliche zum Impfen zu bewegen. Für die von Schmidt-Troschke ins Spiel gebrachten Punkte von mehr epidemiologischer Forschung und besserer, individueller Beratung in den Arztpraxen sieht Dittmann hohe Hürden, wie etwa mangelnde Finanzierungsmöglichkeiten oder begrenzte Kapazitäten der Ärzte. Für eine Publikumsfrage zur Umsetzbarkeit einer besseren Beratung in Hausarztpraxen hatten beide demzufolge eine andere Antwort parat: Schmidt-Troschke plädierte für mehr Information und eine andere Interessenpriorisierung der Ärzte, während Prof. Dr. Dittmann aufgrund der besseren Finanzierbarkeit auf ständig aktualisierte Merkblätter für Patienten setzte.

Prof. Dr. Bautsch stellte zu Beginn die These auf, dass der Sieg gegen die Pocken durch Impfungen die größte Leistung der Medizin des 20. Jahrhunderts sei. In Reaktion auf das erste Statement machte er deutlich, dass es keine Wirkung ohne eine, wenn auch kleine oder sehr unwahrscheinliche, Nebenwirkung gäbe. Dies müsse auch kommuniziert werden um die Transparenz zu erhöhen. Dies sei in diesem Sektor besonders wichtig, da auch logistische oder ethische Gründe eine Rolle spielten. Den Aspekt der Ethik nahm er zum Anlass eine Impflicht, etwa für Grippe, mit Widerrufsrecht für Ärzte Pflegepersonal ins Spiel zu bringen.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie auch unter:

- World Health Organization (englisch)

- Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Hier finden Sie den Beitrag von mikrofilm.tv zur Veranstaltung

(Autor: Sven Sikatzki)

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